Das Gehör Drucken

Im Vergleich zum Menschen können Katzen zwar Farben weniger gut wahrnehmen, dafür ist ihr Gehör um Längen besser. Die Leistungsfähigkeit der Ohren hängt davon ab, wie gut Geräusche aufgefangen und vom Gehirn verarbeitet werden. Die Ohrmuscheln der Katze sind mit unzähligen Muskeln ausgestattet, sodass sie einzeln in einem Winkel von 180 Grad in alle Richtungen gedreht und auch auf entfernte Laute fokussiert werden können. Mit dieser Eigenschaft lassen sich die Geräuschquellen ausmachen und lokalisieren.



 

Der Mensch hört ab einer Frequenz von ca. 20 Hertz, während die Katze erst ab einer Frequenz von 60 Hertz Geräusche wahrnimmt. Dafür hört sie in den oberen Frequenzen deutlich besser, nämlich bis etwa 65’000 Hertz. Der Mensch hingegen hört nur bis ca. 20’000 Hertz. Der Unterschied macht also mehr als zwei Oktaven aus. Das bedeutet, dass die Tiere in einer völlig anderen Geräuschumwelt leben, in der das leise Quieken einer Maus oder anderer Kleintiere alltäglich ist. Die für den Mensch manchmal unhörbaren Laute ihrer Jungen ermöglicht es der Katzemutter sie notfalls wieder zu finden.

Da das Gehör der Katzen vor allem in den höheren Tonlagen sehr gut ausgeprägt ist, reagieren die meisten Katzen eher auf Frauen- und Kinderstimmen als auf jene der Männer. Das erklärt auch, warum Katzen sich manchmal plötzlich aufsetzen und lauschen, obwohl wir gar kein Geräusch wahrnehmen. Die vermuteten „hellseherischen“ Fähigkeiten der Katzen, Veränderungen früher wahrzunehmen als wir Menschen, gehen vermutlich auf ihr überlegenes Gehör zurück. Das erklärt auch, warum Katzen häufig schon am Garagentor warten, wenn ihre Besitzer mit dem Auto heimkommen.

Töne exakt zu lokalisieren ist eine weitere Besonderheit des Katzenohrs. Aus einem Meter Entfernung kann die Katze zwei unterschiedliche Geräuschquellen unterscheiden, zwischen denen nur acht Zentimeter liegen. Ihr Gehirn kann die Zeitverzögerung beim Eintreffen der beiden Reize berechnen. Beim Aufspüren und Verfolgen der Beute ist diese Eigenschaft von grosser Bedeutung.

Katzen lieben die Stille. Lärm stört sie enorm, deshalb reichen für die Erziehung ein lautes Händeklatschen und ein energisches „Nein!“ Wenn Katzen und Hunde zusammen leben, zieht sich die Katze oft zurück, wenn der Hund bellt. Dies nicht weil sie Angst hat, sondern weil sie einfach den Krach nicht ausstehen kann. Aus demselben Grund mögen Katzen auch lärmende Kinder nicht besonders. In der Regel finden Katzen es ideal, wenn ihre Menschen sich ruhig und freundlich unterhalten und leise Musik hören. Katzen mögen sogar eine leise Radioberieselung wenn sie alleine sind. Möglicherweise können sie mit ihrem guten Gehör die Musik sogar besser geniessen als wir.

Manche Katzen neigen im Alter zu Taubheit, die dann meist mit anderen alterstypischen Symptomen einhergeht. Kratzt oder schüttelt die Katze häufig den Kopf, kann dies auf einen Ohrinfekt hindeuten, aber auch auf nachlassendes Hörvermögen, wenn die Katze zusätzlich noch verdutzt dreinschaut. Leider gibt es kein Mittel gegen Altersschwerhörigkeit, doch kann man der Katze das Leben erleichtern, indem man darauf achtet, dass man sich ihr von vorne nähert und sie nicht erschreckt.

 



 

Es stimmt zwar nicht, dass alle weissen Katzen taub sind, wie es manchmal heisst. Doch die weisse Farbe hat sicher etwas damit zu tun, vor allem, wenn die Katze zudem noch blaue Augen hat. Haben Katzen verschiedenfarbige Augen, sind sie meist auf der Seite des blauen Auges taub. Von der Taubheit können ein oder beide Ohren betroffen sein, sie ist nicht heilbar. Obwohl das Gehör für die Katze so wichtig ist, scheint Taubheit keine grosse Beeinträchtigung darzustellen, wenn sie von Geburt an besteht. Es wird vermutet, dass die übrigen Sinne den Mangel ausgleichen. Katzenmütter sind allerdings benachteiligt, da sie die Hunger- oder Hilfeschreie der Jungen nicht hören.

Die Ohrmuscheln haben nebst dem Gehör noch eine ganz andere Funktion: Sie sind ein wichtiges Instrument in der Körpersprache der Katze. Angst, Stress, Zufriedenheit, Kampfgeist, Zorn und andere Gefühle werden so zusammen mit anderen Körperteilen angezeigt.

 


 
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