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Katzen können nicht wie angenommen im Dunkeln sehen. Doch sehen sie bei Dämmerung schon doppelt so gut, wie der Mensch. Als Nachtjäger ist diese Fähigkeit natürlich von enormem Vorteil. Praktisch alle Charakteristika der Katzenaugen haben mit dem Jagdinstinkt des Tieres zu tun. Die Stellung der weit vorne im Kopf sitzenden und genau geradeaus gerichteten Katzenaugen sorgt für ein optimales dreidimensionales Bild. Das Gesichtsfeld einer Katze nach vorne beträgt 120 Grad, auf den Seiten jeweils weitere 80 Grad, was in der Summe erstaunliche 280 Grad ergibt. Durch die verankerten Bänder im Auge kann die Linse präzise auf Gegenstände in der Ferne oder Nähe eingestellt werden, obwohl die Katze im Nahbereich nicht allzu gut sieht. Den schärfsten Blick hat die Katze auf eine Distanz von zwei bis sechs Metern. Die Fähigkeit, in der Dämmerung zu sehen, beruht zum Teil auf der Flexibilität der Muskeln, die die Iris steuern. Das ist jene Membran, die sich öffnet und schliesst und für die Pupillengrösse verantwortlich ist. Die Iris zieht sich bei hellem Licht, wie zum Beispiel bei starkem Sonnenlicht, zusammen und lässt die Pupille zu einem schmalen Schlitz werden. Diese Schutzfunktion bewahrt das Innenauge vor Schäden und die Katze kann weiterhin sehen. Hingegen erweitern sich die Pupillen im Dunkeln bis zu einem Durchmesser von zwölf Millimetern. Durch die grössere Öffnung fällt mehr Licht auf die Netzhaut an der Augenrückseite und der Sehnerv kann mehr Informationen an das Gehirn weiterleiten.
Die Fähigkeit im Dunkeln zu sehen wird durch eine Besonderheit unterstützt: Das so genannte Tapetum lucidum, eine reflektierende Schicht auf der Netzhaut. Sie erhöht deren Empfindlichkeit und verstärkt damit das entstehende Bild. Sie ist es auch, die im Dunkeln das Leuchten der Augen bei Lichteinfall bewirkt. Das Tapetum lucidum ist allerdings nicht nur bei Katzen zu finden, sondern auch bei vielen anderen nacht- und dämmerungsaktiven Tierarten. Die Informationen, die das Katzenauge selbst bei schlechtem Licht sammeln kann sind allerdings nicht sehr detailgenau, und die Nachtsicht ist eher verschwommen. Das ist für die Katze nicht weiter schlimm, denn ihr liegt vor allem daran, die Bewegungen ihrer Beutetiere wahrzunehmen, wobei der Geruchssinn und das Gehör unterstützend mitwirken.
Eine weitere Besonderheit ist das dritte Lid, dass sich bei Bedarf von der Seite her über die Hornhaut schiebt. Bei offenen Augen ist die Nickhaut jedoch meist zurückgezogen. Sie dient ebenso wie die beiden anderen Lider zur Hornhautbefeuchtung. Somit können Katzen schier endlos einen Gegenstand anstarren, so zum Beispiel wenn sie am Fenster sitzen und wirbelnden Blättern oder den Vögeln zuschauen. Dies ist ein Teil ihres Jagdinstinktes und man kann sicher sein, dass ihnen in einer solchen Situation nicht die geringste Bewegung entgeht. Ob und wie intensiv Katzen Farben sehen können, sind sich Fachleute uneinig. Man muss aber davon ausgehen, dass die Farbwahrnehmung nicht so ausgeprägt ist wie beim Menschen, doch können sie mit Sicherheit Farbschattierungen unterscheiden. Es heisst, Katzen könnten Rot, Blau und Weiss unterscheiden, während Grün, Gelb und Weiss nebeneinander für sie grau aussehen. Es ist anzunehmen, dass Farben für Katzen nicht denselben Stellenwert haben wie für uns Menschen, weil ihre optische Wahrnehmung auf die Bewegung ausgerichtet ist.
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